Ich bewundere sie bis heute. Menschen, die genau wissen, was sie vom Leben wollen.
Die, die schon mit 10 Jahren sagen sie wollen mal Arzt oder Anwalt werden. Die, die dann auch wirklich nach 20 Jahren entweder im OP operieren, oder in der Kanzlei Fälle bearbeiten.
Tja, ich gehöre zu der anderen Seite – denn ich wollte schon vieles werden.
Der heutige Beitrag ist ziemlich lang und auch ziemlich privat, aber es sind Themen, die mich beschäftigen und die ich gerne mit euch teilen möchte 🙂

Nach unzähligen Praktiken in den verschiedensten Hotels und Restaurants, 5 Jahren Schule mit Fachprüfungen und Matura, habe ich die HBLA absolviert. Dass ich im Gastgewerbe nicht glücklich werde, wusste ich zu dem Zeitpunkt schon.
Nach einem knackigen halben Jahr Jusstudium, habe ich in der Zeitung gelesen, dass Polizisten gesucht werden. Das Studium war mir von Anfang an zu trocken, deswegen habe ich nach meiner Polizeibewerbung ein 9 monatiges Aufnahmeverfahren durchlaufen:
4 Std. schriftlicher Test, psychologisches Gespräch, ärztliche Begutachtung und einen Sporttest habe ich absolviert und tatsächlich als Polizeischülerin in der Marokkaner Kaserne angefangen! So euphorisch ich war – ich wusste schnell, dass es eher nicht meinen Erwartungen entspricht.
Ich bin nicht der Typ Mensch, der gleich alles schmeißt, deswegen bin ich ein Jahr geblieben, um mir klar zu werden, ob es das ist was ich möchte. Ich habe mit der Zeit einfach gemerkt, dass ich mich dort nicht verwirklichen kann. Die Einstellungen zu vielen Themen waren sehr unterschiedlich und ich konnte dort nicht ich selbst sein.
Danach wollte ich unbedingt in die Werbebranche reinschnuppern, was ich im Endeffekt auch getan habe. Ich war ein Jahr lang Mädchen für alles in einer Agentur, die McDonald, T-Mobile und Henkel als Kunden hatte!
Es war eine super kreative Firma und ich hatte wirklich Spaß daran, dabei zuzusehen, wie Werbung entsteht! Leider reichte mir das zusehen nicht und nach einem Jahr wurde einer der Kunden bei einem Pitch abgeworben. Die Agentur wurde dann von einer Größeren übernommen.
Standortveränderung, Personalverluste und einfach nicht mehr genug zum Arbeiten, das wurde mir dann zu langweilig.
Nach gefühlten 100 Bewerbungen, habe ich mich in einer Eventagentur begonnen, die mich nach Aufnahmetest und Bewerbungsgespräch auch gleich genommen hat! Dort war ich für die Einsatzplanung und das Recruiting von Promotern zuständig! Spaßig, stressig und eigentlich auch voll meines. Es wurde mir eine Gehaltserhöhung zugesichert, die ich nach 6 Monaten hätte bekommen sollen. Ich hatte dann ca. ein Monat davor ein Mitarbeitergespräch mit super Bewertung und tollem Feedback! Und für was?
Dafür, dass sie mir dann einen Tag vor der Überweisung der abgemachten Gehaltserhöhung eine E-Mail (!) schicken, in der sinngemäß drinnen stand, dass meine Performance zwar super ist, aber nicht gut genug für eine Gehaltserhöhung!
Tja, für eine 60 Std. Woche und ein Telefon das bis sonntags geklingelt hat, waren mir dann 1200€ doch etwas zu wenig!
Es mag zwar rechtlich nichts gegen diese Form der Information gesprochen haben, aber moralisch war das für mich ein absolutes No-Go.

Somit hab ich mich dann von dieser Firma verabschiedet, was ziemlich blöd war in Anbetracht dessen, dass ich mich natürlich nicht um einen anderen Job gekümmert hatte.
Ich war also von März bis Juni letzten Jahres  AMS Bezieher, was anfangs ziemlich an meinem Ego gekratzt hat! Aber es ist absolut nichts verwerflich daran, mal arbeitslos zu sein. Ich habe dort dann einen Englisch Kurs belegt und bin nebenbei geringfügig zu einem Heurigen arbeiten gegangen, um mich irgendwie über Wasser zu halten.
Im Juli hatte ich dann, durch meine Mutter, die Möglichkeit, ein Praktikum im Spital zu machen. Das Praktikum wurde verlängert und daraus wurde dann ein Vertretungsposten in der Röntgenabteilung. Kundenbetreuung, Administration und das Schreiben von Befunden gehören dort zu meinen Hauptaufgaben.
Es ist nicht mein Traumjob, aber es ist ein Job. Ich habe nun mal seit 4 Jahren Fixkosten und die bezahlen sich nicht von selbst. Deswegen ist es für mich absolut in Ordnung, mal ein Jahr etwas zu tun, was nicht unbedingt den eigenen Wünschen entspricht.
Außerdem ist es angenehm, weil ich mir jetzt Zeit dafür nehmen kann, mir zu überlegen was ich danach ansteuern möchte.
Aber ganz genau weiß ich das auch noch nicht.

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Oft hab ich mir gedacht „warum bist du nicht studieren gegangen“, dann überlege ich wieder, ob ich nicht einfach nochmal gehen soll.
Ich hab immer gesagt, dass ich nicht nur einen Job für den Rest meines Lebens machen möchte. Ich will so viel wie möglich ausprobieren, um einfach wirklich herauszufinden, was mein Ding ist!
Früher war das alles anders, da hatten die Leute einfach nicht dieselbe Auswahl und dieselben Möglichkeiten!

Ich bin mein Leben lang schon der kreative Typ.
Der Typ Mensch, der zwar wegen der Rechtschreibung eine schlechtere Note bekam, aber dafür eine gute Story hatte.
Der Mensch, der gerne Feste organisiert und plant, der gerne selbst gestaltet und sich etwas einfallen lässt, um alles ein Stückchen besonderer zu machen.
Das würde ich auch gerne beruflich umsetzen. Auch ich habe meine Fehler, eine zu große Klappe und muss noch einiges im Leben lernen 😉
Vor einem Jahr habe ich meiner künstlerischen Ader endlich freien Lauf gelassen und singe in einer Band als Frontsängerin! Das ist wirklich ein toller Ausgleich zum Alltag und mein liebstes Hobby, aber dazu kommt eine eigene Geschichte 🙂
Auch in diesem Moment, in dem ich am Computer sitze, verwirkliche ich mir einen meiner ‚Ich -wäre -gerne – Träume‘. Denn mit dem Bloggen bereite ich mir und meiner kreativen Seite eine wahnsinnige Freude.
Es macht so Spaß, über all meine Favourites in den verschiedensten Bereichen zu schreiben und auch über ernstere Dinge – wie eben heute – über mich und mein Tausendsassadarsein!

Es mag vielleicht nicht überall gut ankommen, wenn man nicht jahrelang in derselben Firma gearbeitet hat und sich einiges eben mal anschauen wollte! Aber manchmal passieren eben Sachen, die man sich nicht, nur weil es gut im Lebenslauf kommt, gefallen lassen muss!
Ich glaube, dass viele Firmen auch die falschen Anforderungen ausschreiben und sich viele Leute, aufgrund der zu erfüllenden Angaben gar nicht erst trauen, sich zu bewerben!
Du musst in den gewünschten Bereichen studiert sein, aber gleichzeitig 100 Jahre Berufserfahrungen haben.
Achja, am besten dann noch 10 Fremdsprachen können, jedes Computerprogramm das es gibt beherrschen und für jegliche Qualifikation dann auch noch für 60 Stunden 1100€ netto bekommen! Seriously? So fühl ich mich als Bewerber!
Dabei denke ich mir des Öfteren, dass ich mich so gut in den Aufgabenbereichen wiedererkenne und zu dem Profil passen würde!
Ich hab mich auch schon bei Stellen beworben, obwohl meine Qualifikationen nicht ausreichend waren. Einmal bin ich wirklich gut damit gefahren und hab diesen Job bekommen, aber in der Regel überwiegt dann doch meistens die Absage.

Liebe Arbeitswelt: Gebt den Leuten eine Chance! Verkauft euch nicht immer über eurem Wert und verlangt das Unmöglichste! Alles abverlangen und selbst die Versprechungen nicht halten.
Klar, es gibt viele zufriedene Leute, bei denen alles gut geklappt hat!
Aber die Mehrheit tut sich schwer, weil die Anforderungen den Mut unterdrücken.
Wenn man jemanden kennt und eine gute Rutsche gelegt bekommt, hat man das Problem natürlich nicht!
Und ich bin die letzte, die jemandem etwas neidig ist, oder jemandem etwas nicht gönnt! Wenn man gut passt und das Glück hat – why not! Aber gebt doch normalen Menschen auch die Möglichkeit sich zu beweisen!
Ohne Freunderlwirtschaft ist es als Normalo eben echt nicht immer einfach! Auch in der Welt des Bloggens, so nebenbei erwähnt.
An alle anderen, die es ohne dem geschafft haben – mein höchster Respekt!
Ich möchte jetzt nicht alles schlecht reden, schließlich gibt es ja auch noch einige, die sich mit viel Mut und Selbstdisziplin ihren Job selbst erarbeitet haben! Die sich alles selbst geschafft haben und darauf auch stolz sein können!
Ich werde bestimmt meinen Weg gehen und damit auch irgendwann glücklich sein 🙂 Von nichts kommt nichts, das ist mir klar! Und aufs Glück braucht man sich nicht verlassen. Aber ich bin absolut ready für alles was auf mich zukommen wird und freue mich auf weitere Herausforderungen und Aufgaben, die mich erwarten. Never give up, good things take time!
Bis dahin schreibe ich weiter über alles, was mich im Leben glücklich stimmt oder auch beschäftigt!
Wie steht ihr zu diesem Thema? Seid ihr schon angekommen?
Kommt es euch bekannt vor, oder seid ihr ganz anderer Meinung?

greets and kisses, Carry :**

4 thoughts on “Carry o’clock #2! me, the “real whizz kid“!”

  1. Hey, also normalerweise kommentiere ich nicht, aber weil der Post bei mir nicht aktueller sein könnte….
    Ich wohne zwar in Deutschland, aber auch hier ist es absolut nicht anders…Ich habe studiert sogar schon einen Master, aber als ich mich im Januar anfing überall zu bewerben hagelten nur absagen (trotz guter Noten) man bekommt einfach keine Chance…Also ging ich einen zweiten Master an und bekam eine Zusage für eine Stelle bei der ich eigentlich Überqualifiziert bin aber anscheinend ist genau das heutzutage so. Die Mühlen mahlen langsam, irgendwann kommen die Unternehmen auch mal auf den trichter, dass die zu viel verlangen…Man kann es nur hoffen.
    Ich persönlich finde es immer sehr beruhigend, wenn man hört, dass es bei anderen genauso läuft und es nicht an den eigenen Qualifikationen liegt.
    Und wir brauchen mehr mutige die ihren Weg abseits der Norm gehen, so wie du.
    Mein Vater (Mediziner) sagte neulich zu mir“es macht keinen Sinn dass du dich kaputt arbeitest für etwas was dir keinen Spass macht, also mach das was du möchtest.“und für diese bedingungslose Unterstützung bin ich dankbar.
    Danke für deinen persönlichen Post

    1. Liebe Kathrin, danke für dein tolles Kommentar! Auch ich bin froh, so etwas von jemandem zu hören, der sogar so fleißig wie du studiert hat! Sie verlangen einfach alles und geben nichts, da sollte sich endlich mal etwas ändern! Weise Worte von deinem Vater und das unterschreibe ich! Wir müssen uns nicht nur wegen unseres Lebenslaufes kaputt machen! Ich wünsche dir alles Liebe für deinen Job – wir packen das 😉
      Greets and kisses,Carry :**

  2. Love it, change it or leave it.
    Wer unzufrieden ist hat nur diese drei Alternativen. Und starke Charaktere eiern nicht lange herum – sie treffen auch in dieser Frage eine zügige und konsequente Entscheidung. So gewinnen sie Klarheit im Kopf und Hartnäckigkeit im Handeln. Erfolg und Glück sind nun mal keine Glücksfälle, sondern reine Entscheidungssache. Oder zusammenfasst: Man kann jeden Fehler zwei Mal begehen, aber beim zweiten Mal ist es kein Fehler mehr, sondern eine Entscheidung.

    Jemand gab dir einmal folgende Worte mit auf den Weg:

    Wenn alle dasselbe machen, versuche das Gegenteil!
    Erfolgreicher ist gegen den Strom zu schwimmen.

    Du wirst deinen Weg gehen… wer exzellent ist, braucht keine Konkurrenz fürchten.

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